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12. Tag 1 post OP, Mittwoch 08.02.23

  • Autorenbild: schrittabschnitt
    schrittabschnitt
  • 20. Feb. 2023
  • 2 Min. Lesezeit

Alle paar Stunden piepste in der ersten Nacht der Schmerzkatheter oder ich musste pinkeln, wobei ich Veras Unterstützung oder die der Nachtschwester brauchte. Um 5 Uhr musste sie dann aufstehen, um sich für ihren Dienst fertigzumachen.

Nach Cappuccino, waschen im Bett und Wundversorgung startete ich dann auch langsam in den Tag. Ich war völlig im Eimer, durch die schlaflose Nacht, vermutete ich. Am späten Vormittag fing plötzlich mein Herz an zu klopfen wie wild und ich spürte im Hals, dass der Puls extrem schnell ging. Ich klingelte und der Puls wurde auf 117 gemessen. Aufgrund von Schmerzen in der Achsel und im Schulterblatt wurde eine EKG Schwester angefordert. Der Arzt kam auch und nahm Blut ab. Das EKG war in Ordnung aber meine Blutwerte nicht so ganz. Der HB Wert war vom Vortag knapp 9 auf 6 gefallen, was den Arzt dazu veranlasste, mir zwei Bluttransfusionen über die Vene einzuflößen. Die Hoffnung auf das Blut eines rassigen Vollblutitalieners war groß und die Farbe kehrte nach einiger Zeit langsam in mein Gesicht zurück und gegen Abend war ich zwar noch immer müde wegen der durchzechten Nacht aber die körperliche Schwäche hatte sich spürbar verflüchtigt.

Am Nachmittag kamen Kilian und Blayne zu Besuch mit zunächst verhaltener Reaktion auf mein Bein. Blayne schaute es sich an, konnte aber nicht richtig in Worte fassen, was er dachte und Kilian wollte das Bein nicht sehen, was mir zunächst schwer zu schaffen machte. Als die beiden wieder nachhause fuhren, telefonierte ich mit Vera weil ich sicher gehen wollte, dass dies eine normale Reaktion war und sie beruhigte mich, dass er einfach nur etwas Zeit bräuchte. Eigentlich auch nachvollziehbar. Ist ja auch nicht einfach für einen 16jährigen Teenager, seine Mama im Krankenhausbett liegen zu sehen, mit dem Wissen, dass ihr nun ein Bein fehlt.

Dann wurde ich sehr schnell sehr müde aber mein Körper hatte andere Pläne.

Genau das, was alle thematisiert haben und was ich zwar wusste, dass es passieren kann, aber ich nicht mit dieser Angst davor in die Operation gehen wollte, traf ein. Phantomschmerzen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich den fehlenden Teil meines Beines noch nicht gespürt. Plötzlich, als hätte man es eingeschaltet überkam mich ein unfassbar heftiger Schmerz, der in einer Intensität anhielt im Unterschenkel und im Fuß, die ja kurz gesagt nicht mehr da waren. Leider konnte mir die Dienst habene Krankenschwester nicht so richtig helfen und rief irgendwann dann doch eine Ärztin an, die eine kleine Dosis eines Akutmittels anordnete. Bis dahin lag ich bereits über anderthalb Stunden im anhaltenden Schmerz. Nach Einnahme der Tablette rief ich Blayne an und bat ihn, mich irgendwie mit Gesprächen abzulenken. Er erzählte mir von unserer Hündin Inka, die gerade den Teppich vollgekotzt hat weil sie ein Leckerli nicht vertragen hatte und einiges Andere.

Als wir das Gespräch beendeten, ohne das der Schmerz nachgelassen hatte, fing ich heftig an zu heulen vor Schmerzen und Verzweiflung, dass das einfach nicht verschwinden wollte. Ich suchte ich auf meinem Handy nach Entspannungsmusik von Spotify, stöpselte mir die Kopfhörer ein und versuchte irgendwie in meinen Körper abzutauchen. Nach etwas mehr als 3 Stunden schaute ich zum letzten Mal auf die Uhr und ich kann nicht einmal sagen wie lange es danach noch dauerte, bis der Schmerz oder wie er nachließ aber ich schlief irgendwann ein.


Fotos folgen...

 
 
 

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