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6. 01-2019 Operation Nr. 13 Knie rechts Prothesenwechsel in Wiesbaden

  • Autorenbild: schrittabschnitt
    schrittabschnitt
  • 5. Feb. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Im Dezember 2018 und erhöhtem Schmerzmittelbedarf von Ibuprofen 800 wurden die Schmerzen mittlerweile fast unerträglich und mein Arzt in Bad Homburg empfahl mir einen operierenden Orthopäden und gleichzeitig Chefarzt in einer Klinik in Wiesbaden. Er selbst habe dort lange Zeit mit ihm gearbeitet und würde sich von niemand Anderem operieren lassen, sagte er mir. Die Klinik in Heidelberg war eine wirklich gute Adresse und ich war bei jedem Besuch sehr zufrieden mit den Behandlungen, dennoch hatte ich nach den letzten regelmäßigen Kontrollterminen, Kortison- und Hyaluronspritzen ins Knie und der Aussage, dass mein Knie austherapiert war, das Gefühl, dass die Ärzte dort mit ihrer psychosomatischen Vermutung, was während der Schmerztherapiemaßnahme in Bad Staffelstein 2018 ausgeschlossen wurde, buchstäblich mit ihrem Latein am Ende waren und sie mir nicht weiterhelfen konnten. In meinem Beisein rief mein Bad Homburger Orthopäde seinen ehemaligen Chef in Wiesbaden an und vereinbarte für mich einen Termin für Januar 2019 zur Besprechung.

Mit aktuellen Bildern nahm ich meinen Termin am 20.01.2019 wahr und fasste sofort Vertrauen zu ihm. Er und ein weiterer Arzt untersuchten mich sehr gründlich. Ich war durch die Schmerzen an einem Punkt angelangt, an dem ich den Chefarzt unter Tränen anflehte, irgendetwas zu unternehmen und wenn es bedeutete, mein Bein abzunehmen. Wörtlich sagte ich: „Ich kann nicht mehr, machen sie`s weg!“ Er beruhigte mich, indem er mir versprach alles in seiner Macht stehende zu tun, um mir schnellst- und bestmöglich zu helfen. Allerdings waren die Möglichkeiten so sehr begrenzt, dass nur eine weitere Operation - der Prothesenwechsel blieb. Da ich damit schon gerechnet hatte, war das ein nicht allzu großer Schreck.

Schon 8 Tage später, am 28.01.2019 befand ich mich erneut und zum 13. Mal mit dem rechten Knie auf einem Operationstisch. Ein Nervus-Femoralis-Katheter wurde auch zu dieser Operation eingesetzt und der Eingriff verlief sehr gut.

Die CPM Kniebewegungsschiene bekam ich mehrmals täglich ins Bett gestellt und dazu Physiotherapie und Lymphdrainage. Trainiert habe ich so oft ich konnte auf dem Flur mit einem Unterarmgehwagen, der mir einen geraden Gang und Stabilität, auch für meinen Kreislauf gab.

Nochmals 8 Tage später wurde ich auf Gehstützen entlassen und freute mich auf 2 Tage zuhause bei meiner Familie, bevor ich ein weiteres Mal zur Reha nach Bad Staffelstein gefahren wurde. Da ich zu meiner Physiotherapeutin sporadisch Kontakt hielt, bat ich sie mich wieder als Patientin unter ihre Fittiche zu nehmen, was glücklicherweise dank ihres Einsatzes klappte.

Natürlich wusste ich, dass nach jeder Operation die Fortschritte bei mir mittlerweile nur sehr kleine Schritte machten und ich mich in Geduld üben musste, was nicht gerade meine Kernkompetenz war. Ebenso geduldig zeigte sich meine Physiotherapeutin. Nach knapp 3 Wochen spürte ich eine Veränderung in meinem Knie. Es fühlte sich an, als wäre mein Knie in einem Schraubstock eingespannt. Ich sprach das bei der Assistenzärztin an, woraufhin sie das abtat mit den Worten „Das ist normal, nicht schlimm“. Ohne eine Untersuchung oder auch nur mein Bein angefasst zu haben.

Die Beugung auf der Bewegungsschiene ging von Tag zu Tag weiter zurück und eine Schwester, die die CPM-Schiene betreute gab mir den Rest, indem sie sich zunächst weigerte, den Grad weiter zu verringern. Ich wäre ja schon bei über 90° gewesen und jetzt wären es nicht einmal 80°. Ein bisschen weh tun wäre völlig normal. Meine Erklärung, das es einfach nicht weiter zu beugen war und das irgendwas nicht stimmte, ignorierte sie ebenfalls. Bei nächster Gelegenheit sprach ich mit meiner Physio darüber und verlangte gleichzeitig nach der Psychologin, die ich ebenfalls von Oktober 2018 kannte. Meine Nerven waren bei knapp 0. Genau zu dieser Zeit rief meine Freundin Chris an, die ihre Antennen offenbar nach Unterfranken gestellt hatte. Sie fragte wie es mir ging und ich brach in Tränen aus, was ich nicht wollte aber nicht steuern konnte. Da sie unterwegs war, verprach sie mir, sich gegen Nachmittag nochmal zu melden. Ich verkroch mich in meinem Bett und wartete auf eine Entscheidung des Arztes wie es nun weitergehen sollte. Am Spätnachmittag klopfte es an meiner Tür und als ich öffnete, sah ich in das Gesicht von Chris, die mich nun zum zweiten Mal an diesem Tag zum heulen brachte. Sie sagte, dass sie gespürt hatte, dass ich mal ein 270 km entferntes bekanntes Gesicht und einen gemeinsamen Kaffee sehen und genießen musste. Ich war unfassbar gerührt und überglücklich über diesen Besuch. Sie und ihr Freund verbrachten ungefähr 2 Stunden miteinander und sie bauten mich auf und stellten meinen Optimismus wieder her. Das war extrem Kraft schöpfend. (Foto ist ein Geschenk von Chris)

Dann fuhren sie am Abend die 270 km wieder zurück und ich blieb mit neu gewonnener Kraft zurück.


Am nächsten Tag hielt mein Doc Rücksprache mit mir, dazu wurde mein Knie am 01.03. geröntgt und von ihm geschallt. Mein rechtes Bein war mittlerweile wieder einmal bei 80° steif und es ging nichts mehr vor und nichts zurück. Der Oberarzt telefonierte kurz darauf mit meinem Operateur in Wiesbaden, der mich direkt zurück in die Klinik bestellte. Auf entsprechenden Bildern, stellte er fest, dass die Arthrofibrose bei mir erneut so ausgeprägt und das Knie komplett zugewuchert war, sodass ich am 07.03. wieder in Bad Staffelstein abgeholt und direkt nach Wiesbaden in die Klinik gebracht wurde. Der Chefarzt war über die heftige und schnelle Reaktion der Arthrofibrose sehr überrascht. Am 08.03. wurde mit einem weiteren Schmerzkatheter in der Leiste eine Narkosemobilisation durchgeführt. Der Unterschied zu einer Arthrolyse ist dabei, dass das Knie nicht geöffnet werden muss sondern eine geschlossene Mobilisation durchgeführt wird. Anschließend wurde ich dort für 10 Tage mehrmals täglich physiotherapeutisch und mit der Bewegungsschiene behandelt und konnte am 18.03. zurück nach Bad Staffelstein und meine Rehamaßnahme wieder aufnehmen.

Bei Physiotherapeuten ist diese eher radikale Maßnahme nicht wirklich gern gesehen weil ein großes Risiko besteht, das Gelenk und andere sich im Knie befindlichen Teile zu verletzen. Bei mir war diese Maßnahme sehr positiv verlaufen und von nun an machte ich endlich die gewünschten Fortschritte.


Besonders gut getan haben mir in dieser Zeit auch die Besuche von Kilian und Blayne und ich lernte tolle Menschen kennen, die mit mir gemeinsam durch diese heftige Zeit gingen.




Am 10.04.2019 durfte ich die Klinik nach insgesamt langen 7 Wochen verlassen. Auf Gehstützen und mit weiterhin anschließender Physiotherapie aber ich hatte trotz des eher unangenehmen Zwischenfalls eine wirklich tolle und für meine Situation erfolgreiche Zeit.



Zitat aus dem Film Rocky: "Keiner kann so hart zuschlagen wie das Leben. Aber der Punkt ist nicht der, wie hart einer zuschlagen kann. Es zählt bloß, wie viele Schläge man einstecken kann und ob man trotzdem weitermacht.“


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