top of page

8. 08-2021 Teil 2 zur Operation Nr. 14 - Reha in Bad Staffelstein

  • Autorenbild: schrittabschnitt
    schrittabschnitt
  • 5. Feb. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Teil 2 zur Operation Nr. 14 - Rehamaßnahme 12 Wochen in Bad Staffelstein


Am 27.07.2021 begann ich die Reha, diesmal mit Rollstuhl und dem Ziel auf 2 Beinen laufend diese Maßnahme zu beenden.

Foto: Fahrt nach Bad Staffelstein mit meinen Eltern


Mein rechtes Bein machte von vornherein Schwierigkeiten. Ich hatte keine bis wenig Kraft im Bein und nach etwas Anstrengung kippte es nach innen weg. Die Beugung war diesmal zu Anfang wesentlich besser. Nach 3 Wochen etwa und kaum Fortschritten, wurden Untersuchungen gemacht, mein Knie immer noch dick und sehr warm und keine Kraft zum laufen. Nach Gesprächen mit dem Oberarzt, Anke und dem Leiter der neurologischen Physiotherapie wollten wir einen Versuch auf einem robotergestützten Trainingsgerät starten. Zusätzlich verlangte ich nach meiner bereits bekannten Psychologin, die es bisher auch bei meinen vorigen Rehamaßnahmen geschafft hatte, mich wieder in die Spur zu bringen wenn meine Nerven am stürzen waren.

An diesem GEO Gangtrainer steht man auf zwei Pedalen, die mit Kontakten versehen sind, sodass eine Gewichtsverlagerung am Fußballen, der Ferse und innen oder außen auf einem Bildschirm aufgezeigt werden kann. Mit einem Gurt, ähnlich einem Klettergurt, kann das Körpergewicht entlastet werden und mit den verschiedenen Anwendungsoptionen ist ein individuelles Training möglich. Schrittlänge, Geschwindigkeit, Neigungswinkel des Fußes und so weiter wurden auf mich eingestellt und das Experiment konnte beginnen. Mit dem ersten Training hatte ich ein gutes Gefühl und nach dem zweiten Durchgang ein paar Tage später, konnte ich wenn auch nur kleine Verbesserungen spüren. In der zweiten Woche wurde diese Therapieform in mein wöchentliches Programm aufgenommen und meine GEO-Queen Christiane brachte mich von Einheit zu Einheit an meine Grenzen und langsam kehrte die Kraft zurück.

Frei laufen war dennoch nicht drin, nur am Gehwagen aber das Training, bei dem ich jedes mal nass geschwitzt und ausgepowert das Gerät verließ, gab mir die Motivation und die Kraft zu kämpfen.

Mittlerweile war ich über zwei Monate auf Reha, fast täglich im Fitnessraum oder am Gehbarren, um laufen zu üben. Nur das Wegkippen des Beines blieb, wenn es auch gefühlt weniger wurde. Zumindest hatte ich den Eindruck, es wäre so.

Eines Tages war ich mit dem Unterarmgehwagen zur Therapie unterwegs und suchte vorher noch die Toilette auf. Vor dem Waschtisch stehend drehte ich mich zur Seite um, mein Bein kippte dabei weg und ich stürzte. Mein Oberschenkel des operierten Beins schlug auf den Fuß des Wagens auf. In meinem Hirn lief ein kleines Horrorszenario ab. Ich öffnete liegend die Tür zum Flur und die vorbeilaufenden Mitpatienten eilten zu mir. Ich forderte sie auf, meine Physiotherapeutin Anke zu mir zu holen weil ich wusste, dass sie in diesem Moment die einzige Person war, die mich beruhigen konnte. Sobald ich die Augen schloss, fing alles an sich zu drehen und ich hatte starke Schmerzen im gesamten Bein. Alles ging sehr schnell und Anke war an meiner Seite, genauso wie 2 Ärzte und weitere Therapeuten, die mich auf eine Liege hoben und mich zum Röntgenraum fuhren. Später wurde mir berichtet, dass ich immer wieder mein Bewusstsein verlor und zwischendurch nach den Röntgenbildern fragte. Die Ärztin kam nach jedem aufgenommenen Bild zu mir und sagte, dass es gut aussähe. Glücklicherweise wiesen keine Untersuchungen und Röntgenaufnahmen irgendwelche Verletzungen auf. Nur ein größerer Bluterguss auf dem Oberschenkel und Schmerzen in der Hüfte aber alles halb so schlimm.

Zwei Tage wurde ich auf der Schwesternstation inhaftiert und durfte nicht alleine aufstehen. Am ersten Tag stand Gangtraining auf dem Programm und als meine Gangtherapeutin ins Zimmer kam, brach mir der kalte Schweiß aus. Ich konnte und wollte nicht laufen. Nicht von den Schmerzen aber ich hatte eine scheiß Angst. Sobald ich nachts die Augen schloss, sah ich mich auf dem Boden neben mir mein Bein liegen. Allerdings war es nicht mit meinem Körper verbunden. Gruselig. Ich telefonierte mit meiner Psychologin und sie gab mir wertvolle Tipps. Am Tag darauf habe ich es bis zum Fahrstuhl geschafft aber der Gedanke an eine Fahrt ins Erdgeschoss mit Gehwagen anstatt Rollstuhl trieb mir den Schweiß auf die Stirn.

Meine Physio-Fee Anke schaffte es dann einen weiteren Tag später, mich nach unten zu begleiten, trotz schweißgebadet und zitternd. Meinen Kommentar, dass ich echt Schiss habe, beantwortete sie mit einem trockenen "Ich nicht!" Ich liebe sie dafür!

Von da an überwand ich die Ängste nach und nach, konnte wieder auf mein Zimmer und irgendwann alleine mit Gehwagen zu den Mahlzeiten und Therapien.


Trotz täglichen Trainings, Physio, Gangschule und alles was dazu gehört, hatte ich einen Punkt erreicht, an dem ich keine Fortschritte mehr machen konnte und nach einer wöchentlichen Visite mit dem Oberarzt, entschieden wir, dass es nun nach 3 Monaten intensiver Reha, für mich Zeit war wieder nachhause zu gehen.


Durch die vielen Operationen und Behandlungen war mein Knie nun endgültig austherapiert.

1. Foto: Kohlwickel mit Motivationsgetränk von meinen Lieblingsphysios Anke & Christiane

2. Foto: entlastende Tapes 3. Foto: lustiges Knie ;-)


Jetzt galt es, die Therapien zu beantragen, die mich zumindest auf diesem Level, auf dem ich die Klinik am 15. Oktober 2021 verlassen hatte, halten konnte. Dies wurde alles von den Ärzten als Empfehlung in den Abschlussbericht geschrieben. Sowohl das Trainieren auf einem Robotergestützten Gangtrainer, als auch manuelle Physiotherapie und die CPM-Schiene.

Diese Rehamaßnahme war trotz der herausfordernden Umstände eine weitere tolle Erfahrung. Ich lernte wundervolle Menschen kennen, sowohl Patienten, als auch Therapeuten, Krankenschwestern und Ärzte, mit denen ich zum Teil bis heute Kontakt hielt. Ich wurde als orthopädischer Reha-Dinosaurier bezeichnet weil die reguläre Therapiezeit für orthopädische Patienten selten über 6 Wochen hinausgehen.


Nun folgten Briefe und Beantragungen für eine Robotiktherapie, ein Probetraining im Neuroneum Bad Homburg, die solche Therapien anboten, eine Schiene, eine Neufeststellung für die Erhöhung meines GdB von 40 und vieles mehr.


"Wenn du das Gefühl hast, dass gerade alles auseinanderfällt, versuche, ruhig zu bleiben, es sortiert sich nur neu!"



1 Kommentar


Gast
06. Feb. 2023

Unvergessen - Anstaltslauf in Therapiebereich 1 😍!

Gefällt mir
bottom of page