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4. 06-2015 Operation Nr. 11 Knie rechts Arthrolyse in Heidelberg

  • Autorenbild: schrittabschnitt
    schrittabschnitt
  • 5. Feb. 2023
  • 3 Min. Lesezeit

-> dies ist der zweite Teil der Episode Heidelberg 1.0 <-


Noch immer mit Hausbesuchen meiner Physiotherapeutin 1-2x wöchentlich, ging im Mai die Beugung von über 90° immer weiter zurück und binnen 3 Wochen war mein Bein bei ca. 80° Beugung steif.

Physio konnte nicht mehr stattfinden und nach dem Besuch bei meinem ambulanten Orthopäden, schickte Dieser mich zur erneuten Vorstellung nach Heidelberg zu meinem Operateur.


Neue Bilder und Untersuchungen ergaben, dass im Knie Narbengewebe gewuchert war und man dieses entfernen müsse. Am 01.06.2015 wurde eine sogenannte Arthrolyse durchgeführt - OP Nummer 11. Zunächst wurde mir ein Nervus-Femoralis-Katheter eingesetzt. Dafür wird ein dünner Plastikschlauch - der Schmerzmittelkatheter - in die Nähe der Nerven in der Leiste gelegt. Zu sehen ist lediglich ein haarfeiner Schlauch und eine kleine Filterdose zum Einspritzen in der Leiste. Mit einer Arthroskopie wurde das Narbengewebe entfernt und das Bein während der Narkose auf ungefähr 120° durchgebeugt.

Meinen ersten Toilettenbesuch, am nächsten Morgen nach der OP werde ich wohl so schnell nicht vergessen... Nach Ablehnung der Bettpfanne "bestach" ich die Krankenschwester mit 2 Kugeln Lindt Lindor, dass sie mich doch bitte mit einem Rollstuhl oder Toilettenwagen ins Bad bringen möchte weil ich auf der Pfanne nicht pinkeln kann. Nach bitten und betteln willigte sie ein. Das klappte erstaunlich gut, auch wenn wir am operierten Bein feststellten, aus dem Drainageschlauch etwas Blutt herauslief. Als Vermutung äußerte sie, dass wohl der Übergang zwischen den beiden Schläuchen undicht sei. Da in Kürze die Chefarztvisite geplant war, wickelte sie die Stelle mit einem Verband ein. Zurück im Bett frühstückte ich erstmal und wurde dann, sicherlich auch den Opiaten Targin geschuldet ziemlich müde. Etwas später besuchten mich meine Eltern aber mein Kreislauf wollte nicht so ganz in die Gänge kommen. Mir war heiß und dann kalt und ich fühlte mich nicht gut. Als es dann an der Tür klopfte und die Brigade in weiß hereinkam, wurden meine Eltern aus dem Zimmer geschickt und sie begannen mit der Visite bei meiner Bettnachbarin, mit der ich für den einen Tag das Zimmer teilte. Plötzlich wurde mir heiß und übel und es fühlte sich an, als würde man mir alles an Energie aus dem Körper saugen. Zur Belüftung schlug ich die Bettdecke etwas zur Seite und sah quasi rot. Überall war Blut und floss sogar über die Bettkante. Auf dem Foto oben sieht man nur noch die Überreste. Ich gab einen erschrockenen Laut von mir und die gesamte Visite drehte sich zu mir um. Dann ging alles furchtbar schnell und ich erinnere mich nur noch, dass der Alarm gedrückt wurde, ich das Bewusstsein verlor. Zwischendurch wurde ich immer wieder wach, lag mit dem Kopf nach unten in der Schocklage, der Chefarzt arbeitete an meinem Knie und drückte daran herum. Mir wurde schlecht und ich erbrach mich, wurde wieder ohnmächtig. Als ich wieder komplett zu mir kam, war mein Bein vom Fuß bis zum Oberschenkel dick eingewickelt und die Drainage draußen.

Es hatte sich wohl ein Blutpfropf an den Ausgang der Drainage gesetzt und das Blut hat sich einen anderen Weg gesucht. Ende gut, alles gut aber ein großer Schreck.

Ein 14-tägiger Aufenthalt in der Klinik Heidelberg und mehrmals tägliches Training auf einer Kniebewegungsschiene (CPM-Schiene) sowie intensive Physiotherapie folgten. Vor den jeweiligen Behandlungen wurde das Lokalanästhetikum eingespritzt und nach ca. einer halben Stunde war mein Bein nahezu gefühllos und nur mit eingeschränkter Kraft und Beweglichkeit, denn nur so konnten die Physiotherapeuten oder die Bewegungsschiene mit meinem Bein die Beugung bis an die Grenze bringen.


Nach und nach wurde das Schmerzmittel für den Katheter reduziert und einige Tage später konnte er entfernt und die Therapien langsam gesteigert werden. Mit dieser OP wurde die Diagnose Arthrofibrose gestellt. Eine Arthrofibrose ist eine überschießende oder wuchernde Narbenbildung in meinem Fall im Knie und tritt als kaum bekannte aber nicht seltene Komplikation nach einer Operation oder Verletzung auf.

Selbst in unserem Ostseeurlaub auf dem Campingplatz musste ich für 4 Wochen 3-4x wöchentlich Physiotherapie durchführen und hatte Glück, dass einige 100 m entfernt eine entsprechende Einrichtung war, die mich sehr gut versorgte.


"Deine Seele weiß immer was sie tun muss, um sich selbst zu heilen. Die Herausforderung ist es, deinen Verstand zum Schweigen zu bringen!"

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